„Also die Welt wird sich glaube ich drastisch verändern. Und das ist so wie ein Digitalisierung-Beschleuniger, fünf oder 10 Jahre in die Zukunft in einigen Bereichen.“

Check-In Podcast Folge 1: “Not zur Tugend”

Check-In ist ein Podcast, der einem Social-Distancing entgegenwirkt. Die aktuelle Krise hat die Event-Branche hart getroffen, weshalb es nun auf einen gemeinsamen Austausch und Zusammenhalt ankommt. Wir bringen Meinungsführer der Branche zusammen. Welche Mittel entwickeln sie, um die Krise zu überstehen und vielleicht sogar in etwas positives zu verwandeln? Was können wir aktuell tun, um uns progressiv auf die Zukunft vorzubereiten? Lassen Sie sich inspirieren!

Folge 1: “Not zur Tugend” mit Dr. Michael Liebmann

20. März 2020

Bane Katic: Herzlich Willkommen bei Check-In, dem doo Podcast mit Meinungsführern aus der Event Branche. Mein Name ist Bane Katic von doo und heute ist mein Gast Dr. Michael Liebmann. Michael ist Gründer und Geschäftsführer der Firma doo, die eine digitale Eventplattform hat. 

Hi Michael!

Dr. Michael Liebmann: Hallo Bane, guten Morgen! 

Bane Katic: Grüß dich! Du, wo treffe ich Dich gerade an, in dieser Zeit?

Dr. Michael Liebmann: Ja, ich bin wie viele andere auch im Home Office und ich sitze jetzt gerade im Kinderzimmer und mit dabei ist ein großer Teddybär und ein Elefant. 

von links: Bane Katic und Michael Liebmann

Was macht doo eigentlich?

Bane Katic: Okay, sehr gut, sehr gut. Das ist doch eine gute Home Office Umgebung. Ich hab kurz erwähnt, was doo macht: eine digitale Event Platform. Aber erzähl doch mal, was macht ihr wirklich und was ist das genau?

Dr. Michael Liebmann: Also unser Ziel ist es, die komplette Teilnehmerreise zu digitalisieren. Ja, es gibt die verschiedenen Gewerke, wie Einladungen, Webseiten, Registrierungsprozesse, Teilnehmerhandling, vor Ort Delivery, Daten, Event-CRM. Alle diese Sachen werden ja immer wichtiger und sie kommen normalerweise aus unterschiedlichen Händen und wir haben eine offene Plattform entwickelt, wo die Dinge auf einer Plattform verschaltet werden können. Das heißt im Zentrum steht der Teilnehmer und wir können ihn, egal mit welchem Dienstleister man zusammenarbeitet, dort digital durch das gesamte Event begleiten. 

Zum Beispiel: Mit unseren Anbietern können wir auch Apps drauf schalten oder jetzt in der Krise natürlich virtuelle Event-Anbieter mit integrieren. So, und das Schöne ist, dass wir so eine realistische Teilnehmersicht haben, von Anfang bis Ende und deswegen auch die Teilnehmerreise besser optimieren, personalisieren und automatisieren können. Das spart also auf einer Seite Kosten und optimiert auf der anderen Seite die Event-Experience, weil ich den Teilnehmer genauer verstehe, wenn ich ihn von Anfang bis zum Ende begleite. Und das funktioniert ziemlich gut, gerade jetzt in der Krise.

Bane Katic: In der Krise, sagst du eben, da es quasi ein großes Thema “Social Distancing” und doo hat ins Leben gerufen, etwas genau dagegen zu machen. Das ist Gegenteil von “Social Distancing”. Warum und mit welchem Ziel?

Dr. Michael Liebmann: Also, was wir in der Krise feststellen ist: der Begriff Krise wird immer so oft benutzt aber das, was wir erleben ist noch nie da gewesen. Ja, wir hatten vorher natürlich Finanzkrisen, gabs schon, Börsen Krisen, alles das, Crash Krisen, es war alles da, aber sowas wie jetzt, wo wir alle Zuhause einschließen, als wenn da draußen eine Zombie Welt wäre. Das ist komplett neu. Und dementsprechend fehlen auch die Vorreiter. Wie reagieren Unternehmen da drauf? Wie reagiert die Regulierung? Wie reagiert die Öffentlichkeit, die Bevölkerung?

Jeder muss sich erstmal komplett neu organisieren. Da herrscht große Unsicherheit, die dazu führt, dass viele Entscheidungen auch falsch getroffen werden, das wird sich hoffentlich über die nächsten Wochen geben. 

Aber was wir feststellen ist, dass der Austausch zwischen den Menschen jetzt umso wichtiger ist. Einige Leute kommen auf echt gute Ideen und die verschwinden irgendwo in Whatsapp. Was wir halt deswegen machen wollten ist so ein Podcast, wie diesen hier, um genau diesen Austausch zu ermöglichen, Leute zusammenbringen, die einfach über ihre Erfahrungen sprechen, sodass wir in der Lage sind, aus dieser Krise etwas zu lernen und uns idealerweise auch ein Stück weit weiter zu entwickeln.

Bane Katic: Du hast eben von der Krise kurz gesprochen. Das ist sehr spannend, weil irgendwie beeinflusst sie ja jedes Unternehmen und jedes ein bisschen anders. Wie beeinflusst sie euch und Dich?

Dr. Michael Liebmann: Also ich mein ganz privat, musste ich mich wie jeder anderen auch erstmal organisieren, wie funktioniert das Zuhause. Ich habe eine kleine Tochter, meine Frau macht auch Home Office, die Oma ist da. Und deswegen mussten wir erstmal irgendwie alles aufteilen. Ich musste die Gartentische erstmal reintragen, um Schreibtische zu ermöglichen. Wir haben es, glaube ich, halbwegs gut hinbekommen. Aber ich merke es schon, auch meine Tochter, die kriegt jetzt am Tag 5 einen echten Lagerkoller, auch ich selber merke, dass ich deutlich mehr rausgehen muss und einen anderen Modus am Schreibtisch hab. Echt ein wichtiges Thema. Ich glaube, so ein wichtiger Tipp ist, das ich für mich entwickelt hab ist, dass ich meinen Arbeitsalltag einfach besser organisieren muss, um mir auch Zeit für die Pausen zu schaffen, wo ich zwischen Arbeit und Beruf bzw. zwischen Beruf und Privat, das plötzlich an einem Ort stattfindet, emotional und intellektuell unterscheiden kann. Das ist glaube ich etwas, was jetzt wichtig wird, ich aber noch lernen muss. 

So, auf der Firmenseite haben wir natürlich auch eine Menge Herausforderungen, wir sind jetzt schließlich auch Teil einer Industrie, die extrem hart getroffen wurde, durch das ganze Thema jetzt. 

“Business Continuity”: Wie geht doo intern vor?

Bane Katic: Und wie geht ihr intern vor? Ich meine, es stimmt, dass die Eventbranche mit am härtesten getroffen wurde. Aber Stichwort: “Business Continuity”. Also was kann man machen und wie stellt ihr sicher, dass der Betrieb weiter geht?

Dr. Michael Liebmann: Also das Gute ist, wir als digitales Unternehmen hatten natürlich schon großteils die Infrastruktur, die man braucht, um von Zuhause aus zu arbeiten. Also Laptops hat Jeder, Online Zugänge, das ganze DSGVO-konform und auch Prozesse mit Online Software, sodass wir uns austauschen können und Meetings machen können. Das war schon alles da. Insofern war das nicht die Herausforderung gewesen, aber schwieriger ist doch, es hin zu bekommen, dass die Leute nicht nur an Tag eins arbeiten können, sondern auch noch an Tag 50 motiviert sind. Das ändert sich jetzt von Tag zu Tag, wie eigentlich diese Herausforderung in der Mannschaft wahrgenommen wird. 

Und der ein oder andere Trick, den wir jetzt für uns entdeckt haben ist, dass wir jetzt zum Beispiel wöchentlich Teammeetings machen. Also wir haben im Münchener Büro knapp 30 Leute und da machen wir 1x die Woche immer Mittwoch morgens mit 30 Leuten ein Teammeeting, wo wir über die aktuelle Lage der Firma sprechen, uns austauschen und Ideen auch sammeln. Und das musst Du jetzt als Online Konferenz natürlich erst einmal irgendwie machen, aber es funktioniert eigentlich ganz gut und nächsten Mittwoch geht es wieder weiter. Das andere Thema ist, dass wir eine Home Office Task Force ins Leben gerufen haben, die sich einmal pro Woche zusammensetzt und die besten Tipps und Tricks abstimmt und dann in der Mannschaft verteilt. Da ist jetzt zum Beispiel die Idee rausgekommen, dass wir freitags – also heute Abend – ein Online Tournament mit den Mitarbeitern machen. Das hat jetzt weniger etwas mit dem beruflichen Alltag zu tun, sondern ist eher eine soziale Komponente. Das muss man sich so vorstellen, wie quasi eine Online Konsole, die im Office steht, wo die Mitarbeiter zusammen kommen und spielen können. Und wir machen das quasi online, wie so ein Online Tournament. 

So dann gibt es natürlich viele Tipps, wie ich mich organisieren kann, ob das jetzt eine To-Do Listen-App ist oder wie ich Meetings mit dem Timer abhalte, dass wir nicht ins Labern kommen. Unterschiedliche Sachen: was mache ich, damit ich nicht nur Nudeln und Pizza esse. Was sind die besten Weiterbildungsmöglichkeiten von Zuhause aus, wenn ich mich nicht mit den Freunden treffen kann. Ich kann nicht nur die ganze Zeit Netflix schauen. Das sind wesentliche Elemente, um die Leute letztlich bei Laune zu halten. Ich glaube auch, von Woche zu Woche, wird sich das Thema, je nachdem wie lange es dauert, auch nochmal deutlich drehen. Deswegen muss man agil bleiben und deswegen auch so eine Home Office Task Force, die das Thema von Woche zu Woche weiter entwickelt. 

Corona-Krise in der Eventbranche: Wie mache ich “die Not zur Tugend”?

Bane Katic: Okay, seid ihr schon relativ weit. Ich habe eine Frage, die Jeden da draußen interessiert. Gibt es einen Plan oder gibt es irgendwie wie man quasi diese Krise…. – dieses Wort wird so oft verwendet, dass es mich schon fast nervt es auszusprechen, aber man kanns ja nicht anders nennen – … Wie kann man in der aktuelle Situation etwas positiv sehen, sprich diesen guten alten Spruch “die Not zur Tugend machen”. Habt ihr da was entwickelt?

Dr. Michael Liebmann: Ja genau, also ich glaube, wir sehen hier zwei Aspekte. Interessanterweise wachsen die Menschen aus der Distanz plötzlich zusammen. Das heißt, wir partnern jetzt viel stärker. Wir sprechen mit anderen Unternehmen – nicht zuletzt ja auch der Grund für diesen Podcast. Wir knüpfen neue Geschäftsbeziehungen und entwickeln gemeinsame Ideen. Das ist jetzt bei uns rund um die Uhr das Thema “Virtuelle Events”, zusammen mit Agenturen und Unternehmen. 

Auf der anderen Seite wirkt diese Krise hier als extremer Digitalisierungs-Beschleuniger. Man muss sich vorstellen die Kinder sitzen jetzt zu Hause und werden demnächst von Zuhause aus unterrichtet – elektronisch, remote. Der Lehrer sitzt woanders und macht das. Das gibt es schon in manchen Ländern und es wird sicherlich in Deutschland kommen. Wir machen remote Meetings und Einkaufsprozesse. Unternehmen sind jetzt komplett digital. Es kommt nicht mehr der Händler vorbei. Also die Welt wird sich glaube ich drastisch verändern. Und das ist so wie ein Digitalisierung-Beschleuniger, fünf oder 10 Jahre in die Zukunft in einigen Bereichen. 

So, und wenn wir uns das jetzt Mal vor Augen halten, was das bedeutet für die Welt im Dezember 2020, dann ist es eine echte Chance jetzt, diese Zeit, die die Leute haben, wenn sie Zuhause sitzen und möglicherweise weniger klassisches Geschäft haben, Projekte in der Digitalisierung anzustoßen, die sie sonst nicht gemacht hätten (z.B. Automatisierungsprojekte). Das ist auch das, was wir bei unseren Kunden sehen. Wir sprechen jetzt über die Projekte, die wir sonst erst im Herbst oder im neuen Jahr angestoßen hätten. Ich glaube auch, dass es auch ein richtiger Schritt ist, diese Krise, so schlimm wie sie auf der einen Seite ist, als Chance auf der anderen Seite zu nutzen, um in Digitalisierung einen echten Schritt nach vorne zu machen. Ob das jetzt die virtuellen Events sind oder einfach automatisierte Prozesse, mehr Personalisierung einzurichten. Das sind, glaube ich, genau die Themen, die uns jetzt voranbringen können, sofern natürlich die Luft dafür bleibt.

Bane Katic: Du, als Abschluss vielleicht noch, was wäre denn Dein persönlicher Rat für die Zuhörer?

Dr. Michael Liebmann: Also ich für mich: Ich muss zuerst das ganze Thema erst akzeptieren. Auch den Kopf erstmal in einen völlig neuen Modus bringen, mich selbst in einen neuen Modus bringen und ich habe das Gefühl, dass das noch nicht Jeder gemacht hat. Insofern ist das glaube ich immer der Startpunkt. Das ist jetzt so und vielleicht wirds sogar ein Weilchen bleiben. 

Das heißt, wir müssen uns überlegen, wie es jetzt weitergeht, also nach vorne schauen. Ja, gerne auch ohne das Wort “Krise”, idealerweise mehr das Wort “Chance”. Ich weiß, das ist schwierig, aber das geht, irgendwie geht das. Wir schaffen es auch gemeinsam. Und das ist eigentlich schon der zweite Punkt. Was mir extrem hilft, ist der Austausch mit Anderen. In der eigenen Firma aber vor allen Dingen auch mit anderen Firmen. Möglichst viel sprechen, möglichst viel interagieren, um gemeinsam Ideen zu entwickeln, sich inspirieren zu lassen und einfach auch neue Beziehungen zu knüpfen. Und diese beiden Aspekte sind es, die mich gerade sehr stark treiben und die mir auch echt Energie geben. 

Bane Katic: Das klingt sehr, sehr gut! Vielen Dank Michael für deine Zeit und diese echt spannenden Insights und toll, dass sowas so schnell auf die Beine gestellt wurde. 

Dr. Michael Liebmann: Sehr gerne. 

Bane Katic: Und wenn Sie noch Zuhause und auch in Ihren Home-Office Büros spannende Insights oder spannende Themen dazu habt, schreibt uns gerne an podcast@doo.net. Wir freuen uns auf Ihren Input und ich freue mich auf unseren nächsten Gast. Wenn ihr Lust habt, schaltet gerne ein. Bis dahin: “The Show must go on”!