3 Fragen an… Frank Thelen!

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Im Rahmen unserer Interviewreihe “3 Fragen an …” spricht heute Frank Thelen mit uns über Unternehmens-Gründungen, das Voranschreiten der Digitalisierung, die Zukunft des Ehrenamts, Aufgaben für die Politik und vieles mehr.

Über 20 Jahre hinweg gründete Frank Thelen verschiedenste digitale Start-ups. Zudem ist er als Venture Capitalist (e42) im Bereich der Frühphasen-Finanzierung tätig. 2012 überreichte ihm unsere Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel den Microsoft Innovate4Society Award. Einem größeren Publikum wurde Frank Thelen als Juror bei dem Prime-Time TV-Format “Die Höhle der Löwen”  bekannt. Mehr zu Frank Thelen unter http://www.frank.io/.

doo: Herr Thelen, Sie sind einer der erfolgreichsten Investoren im Start-up-Sektor: 2014 haben Sie Ihre myTaxi Beteiligung an Daimler und 2015 Ihre 6Wunderkinder Beteiligung an Microsoft veräußert, beide Verkäufe waren unter den 10 größten “Exits“ Deutschlands. In welchem Bereich sind Neugründungen derzeit vielversprechend?

Frank Thelen: Insgesamt verändert die Digitalisierung von Alltag und Berufsleben alle Industrien ganz fundamental. Im Englischen verwendet man hier den Begriff „disruption“, für den es im Deutschen nicht einmal eine adäquate Übersetzung gibt. Gerade Big-Data in Kombination mit künstlicher Intelligenz erlaubt künftig viele Routine-Tätigkeiten von Computern erledigen zu lassen. Ebenso wird das Internet der Dinge viele Chancen bieten.

Etwas fortgeschrittener ist die Entwicklung schon bei Software-als-Dienstleistung (Software-as-a-Service). Dazu etwas anzubieten, ist für mich brandaktuell und hier sehe ich auch noch sehr großes Entwicklungspotential. Momentan treten immer mehr Anbieter auf den Markt, die durch immer weitere Spezialisierung dem Kunden ein unglaublich breites Spektrum an Leistungen bieten.

An dieser Stelle ist allen voran Mut bei Gründern und Anbietern gefragt. Ich sehe unter Start-ups grundsätzlich eine viel höhere Risikobereitschaft, neue Märkte zu schließen, während etablierte Unternehmen oft etwas zögerlich sind. Diesen unternehmerischen Mut müssen wir als Gesellschaft unterstützen.

doo: Herr Thelen, Sie sind zusammen mit Prof. Dirk Neumann und Dr. Michael Liebmann Koautor des Thesenpapiers „Digitalisierung des Ehrenamts“. Wieso hinkt das Ehrenamt bei der Digitalisierung derart hinterher und wie kann man hier gegensteuern?

Frank Thelen: Generell verfügen gemeinnützige Organisationen über deutlich weniger Ressourcen und Knowhow im Vergleich zur Privatwirtschaft. Hinzu kommen in vielen Fällen etwas starrere Entscheidungsstrukturen und eine teils zu geringe Dynamik innerhalb der Organisationen.

Das wichtigste aber ist: Digitalisierung beginnt im Kopf! Das bedeutet zuallererst, dass man  Veränderungen auch wollen muss. Oftmals gehören die Entscheider eher zu den älteren Generationen, was deren Aufgeschlossenheit gegenüber Neuerungen nicht gerade fördert.

Entscheidend für die Zukunft wird aber sein, dass gemeinnützige Einrichtungen erkennen, dass es ohne mobile Kommunikation und Online-Interaktion in Zukunft schwierig sein wird, ein Vereins-Netzwerk zusammenzuhalten bzw. neue Mitglieder zu gewinnen.

Unsere Aufgabe muss deshalb sein, aufzuklären und die richtigen Produkte für Vereine und Verbände anzubieten. Mit den richtigen Produkten meine ich Lösungen, die ohne Einarbeitung und Investitionen funktionieren. Mittels moderner Software-Technologien, ich habe Software-als-Dienstleistung bereits genannt, in Kombination mit Cloud-Diensten ist dies bereits heute zu realisieren.

doo: Sie setzen sich für die Digitalwirtschaft in Deutschland auch auf politischer Ebene unter anderem durch Gespräche mit der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel ein. Wie kann die Politik hier unterstützen?

Frank Thelen: Die Politik ist hier gleich an mehreren Stellen gefordert. Zum einen müssen die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Dies schließt passende und verlässliche Steuer-Modelle für Investoren in den verschiedenen Phasen der Finanzierung von der Frühphase (Angel) über Venture Capital Fonds bis hin zu Börsengängen ein. Eine Bedrohung sehe ich an dieser Stelle durch das sogenannte „Anti-Angel Gesetz“ (eine Stellungnahme dazu hier). Solche Gesetzesvorhaben verunsichern gerade die wichtigen Frühphasen-Investoren.

Zum anderen müssen Politiker unserem Volk aber auch klar machen: Scheitern gehört dazu! Nur im Grenzbereich werden außergewöhnliche Produkte entwickelt. Hierzu würde ich mir eine gesellschaftliche Debatte wünschen. Auf der anderen Seite sind aber auch Dachverbände gefordert, was Aufklärung betrifft: Ihre Aufgabe ist, lokale Vereine und Verbände über Angebote, Chancen und Umsetzungsmöglichkeiten zu informieren. Nur den wenigsten Vereinsverantwortlichen ist heute nämlich klar, dass die Cloud vielmehr Chance als Gefahr darstellt. Dies gilt im übrigen auch für die Gesellschaft insgesamt.

In Anbetracht der Tatsache, dass nahezu jede brauchbare Software aus dem Silicon Valley stammt und Deutschland hier weit abgeschlagen ist, sehe ich weitere Aufgaben für die Politik: Um ein spezialisiertes Angebot und Innovationen zu ermöglichen, müssen zuerst einmal mehr innovative Ideen gefördert werden.

Hier kann die Politik durch regulatorische Vereinfachungen, beispielsweise bei Gründung und Buchhaltung ebenso unterstützen wie durch die bereits genannte Incentivierung für Investoren und Kapital.

Herr Thelen, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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