3 Fragen an … Dr. Andreas Lenz!

alt text here

Heute richten wir unsere “3 Fragen an” Dr. Andreas Lenz, der mit uns über Chancen durch die Digitalisierung für den industriellen Sektor, Daten als Währung der Zukunft, mögliche Handlungsfelder der Politik und vieles mehr spricht.

Seit 2013 sitzt Dr. Andreas Lenz im Deutschen Bundestag (CSU) und vertritt in der Bundeshauptstadt als direkt gewählter Abgeordneter seinen Wahlkreis Erding-Ebersberg. Der 34-Jährige ist Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie, der sich u. a. mit Fragestellungen der Digitalisierung beschäftigt. Mehr zu Dr. Andreas Lenz und seiner Vita unter http://andreas-lenz.info/.

doo: Herr Dr. Lenz, glaubt man einem in der Presse häufig zitierten Vorwurf, dann verschläft Deutschland den Megatrend der Digitalisierung. Dabei wird nicht selten darauf verwiesen, dass ein großer Teil der Politiker zur Generation 50+ gehört und deshalb schon altersgemäß weniger Zugang zu IT-Themen hat als sogenannte “digital natives”. Teilen Sie diese Einschätzungen und welche Bedeutung hat die Digitalisierung in der Bundespolitik?

Dr. Andreas Lenz: Das Thema Digitalisierung ist  im politischen Berlin in aller Munde. Es gibt mittlerweile einen Ausschuss ‚Digitale Agenda‘ im Deutschen Bundestag und ein Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Daneben sind der Wirtschaftsausschuss, dem ich angehöre, aber auch das Bildungs- und Forschungs-, das Innen- sowie das Verbraucherschutzressort, die sich mit dem Thema Digitalisierung befassen.

Es wird also einiges getan auf bundespolitischer Ebene. Das Bewusstsein für das Thema, welches letztlich ein Querschnittsthema ist und sämtliche Lebensbereiche betrifft, wird immer stärker. Ich habe beispielsweise gerade den Entwurf zu einem Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende auf dem Tisch – das zeigt, dass sämtliche Bereiche und damit Politikfelder von der Digitalisierung betroffen sind.

Erstaunlich ist, wer sich alles für dieses Thema interessiert: Das ist eine Art wohlwollende Interessiertheit mit weitestgehender Unkenntnis. Jeder weiß, hier wird etwas passieren und möchte dabei sein, aber wenige haben eine Vorstellung, wo der Weg hingehen wird.

Ich denke, Deutschland spielt im Vergleich zu anderen europäischen Ländern in vielen Feldern der Digitalisierung bereits eine gute Rolle. Was mir allerdings ein wenig fehlt, ist ein koordinierter Ansatz, der dem Thema gerecht wird. Es geht darum, die spezifischen Chancen für Deutschland zu erkennen. Diese könnten beispielsweise im Automotive-Bereich, im Bereich der Industrie 4.0 liegen. Aber auch im Bereich der Start-Up-Unternehmen tut sich viel. Hier gilt es, die Entwicklung weiter zu unterstützen.

doo: Ende Juli 2015 wurde das “Zentrum Digitalisierung Bayern” in Garching eröffnet. Erklärtes Ziel ist es, Fähigkeiten und Innovationskraft aus Wirtschaft und Wissenschaft in Bayern zu bündeln. Was muss Ihrer Meinung nach auf bundespolitischer Ebene geschehen, damit Deutschland eine führende Rolle bei der Digitalisierung im internationalen Wettbewerb spielen kann? Braucht es dafür z.B. ein deutsches Silicon Valley?

Dr. Andreas Lenz: Es braucht nicht unbedingt ein Silicon Valley, es wäre sehr schwierig so etwas lediglich zu kopieren. Aber wir brauchen beispielsweise bei Forschung und Wirtschaft mehr Vernetzung. Ein kluge Cluster-Strategie gibt es hier bis dato noch nicht bundesweit.

Es ist auch wichtig, den Mittelstand und die kleineren Unternehmen bei diesem Prozess mitzunehmen, gerade dadurch können sich Nischen und Chancen für Deutschland ergeben. Zudem brauchen wir auch gleiche bzw. ähnliche Voraussetzung bei der Förderung von Unternehmensgründungen – Stichwort Wagniskapital.

Letztlich gilt es in einem koordinierten Ansatz, Stärken zu stärken: Wir müssen genau schauen, wo wir die traditionellen Stärken Deutschlands mit Hilfe der Digitalisierung ausbauen können. Dazu brauchen wir auch eine leistungsfähig digitale Infrastruktur und zwar flächendeckend.

Klar muss aber auch sein, dass der Staat die Digitalisierung begleiten kann und muss – er muss den Rahmen setzen, Infrastruktur zur Verfügung stellen – die entscheidenden Impulse müssen aber aus der Gesellschaft und aus der Wirtschaft kommen.

doo: Wenn in Deutschland über Zukunftstechnologien gesprochen wird, stößt man schnell auf eine weit verbreitete Skepsis bis hin zu regelrechter Fortschrittsfeindlichkeit (Cloud-Technologien, bargeldloses Zahlen, Drohnen, autonomes Fahren etc.). Gemessen am Bedarf des Arbeitsmarktes studieren zu wenig junge Menschen Informatik oder Ingenieurswissenschaften. Braucht es in Ihren Augen ein gesellschaftliches Umdenken hin zu mehr Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem und was kann die Politik dazu beitragen?

Dr. Andreas Lenz: Daten sind die Währung der Zukunft und deshalb auch entsprechend wertvoll. Viele der genannten Beispiele bieten natürlich auch Möglichkeiten des Missbrauchs. Zunächst brauchen wir mündige Anwender, aber auch staatliche Instanzen stehen in der Verantwortung, die Errungenschaften der Persönlichkeitsrechte gewährleisten. Dies beinhaltet immer auch schwierige Abwägungen. Vor allem ist es Aufgabe der Politik, bei einzelnen Vorhaben das „Warum und Wozu“ zu erklären.

Gerade im Bereich des Datenschutzes brauchen wir zudem europäische Standards – dies ist auch angesichts des Ziels eines europäischen digitalen Binnenmarktes unabdingbar. Technologiefeindlichkeit hängt häufig auch mit Unkenntnis zusammen. Hier gilt es vor allem aufzuklären. Klar muss aber auch sein, dass nicht alles digitalisiert werden kann. Wir brauchen in vielen Bereichen des täglichen Lebens auch Parallelstrukturen.

Ich denke, dass die Schulen und das Bildungssystem beim Thema Digitalisierung ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Das bedeutet nicht, dass Kreide und Schulheft abgeschafft werden müssen. Es geht um die Stärkung eines verantwortlichen Bewusstseins für das Thema insgesamt. Schließlich befinden sich die digital natives vor allem in der Schule und in der Ausbildung.

Herr Dr. Lenz, wir danken Ihnen für das Gespräch.

doo Knowhow abonnieren

Verpassen Sie keine Expertenbeiträge mehr und erhalten Sie immer die aktuellsten Neuigkeiten aus der Eventbranche direkt per Mail.