3 Fragen an … Linette Heimrich – Crowdfunding für Events

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Unsere 3 Fragen richten sich heute an ein echtes Powerhouse der Münchner Startup-Szene. Linette Heimrich unterstützt als IHK-Beraterin für Crowdfunding & Crowdsourcing Gründer, Unternehmen und Interessierte bei Fragen zur Finanzierung mit Hilfe der Crowd.

In unserem Interview verrät sie, was eigentlich hinter diesem Modell steckt und wie sich Crowdfunding auch für die Finanzierung von Veranstaltungen einsetzen lässt. Erfahren Sie Tipps & Tricks, mit denen Sie Ihr Event-Management auf ein neues Level heben können.

 

doo: Frau Heimrich, Sie sind als IHK-Beraterin für Crowdfunding & Crowdsourcing tätig und sozusagen DER Anlaufpunkt in München für alle aktuellen Crowd-Themen. Können Sie uns erklären, was genau hinten diesen Begriffen steckt? Und warum erfährt Crowdfunding momentan gerade so einen Hype?

Linette Heimrich: Beim Crowdfunding (vom engl. „crowd“, die Menschenmenge und „funding“ für Finanzierung) finanzieren viele Menschen mit kleinen Geldbeträgen gemeinsam ein Projekt über das Internet. Das grundlegende Prinzip dahinter ist einfach: Der Projektstarter kalkuliert die Summe, die er zur Umsetzung seines Projekts benötigt und stellt sein Projekt mit einer Kampagne auf einer Crowdfunding-Plattform im Internet vor. Innerhalb einer von ihm gesetzten Frist muss er nun genügend Menschen von seinem Vorhaben überzeugen und als Unterstützer gewinnen. Nur wenn es ihm gelingt, hundert Prozent der Summe von der Crowd einzusammeln, ist das Crowdfunding erfolgreich. Es heißt also „Alles oder Nichts. Ist die Fundingsumme komplett, erhalten die Unterstützer eine Gegenleistung als Dankschön. Das kann je nach Crowdfunding-Modell etwas Materielles, Ideelles oder auch ein finanzielle Rendite sein.

Für mich ist Crowdfunding kein Hype. Menschen für ein gemeinsames Anliegen zu mobilisieren, ist über das Internet so einfach wie nie zuvor. Und genau wie Social Media wird auch Crowdfunding seinen festen Platz im Internet einnehmen.

Dass Crowdfunding in den letzten Jahren derart an Fahrt gewinnt, liegt nicht nur am unkonventionellen Charakter der Finanzierungsform. Der eigentliche Reiz ist die Verbindung aus Finanzierung, Marketing und Proof of Concept, den es bietet.

 

doo: Jedes Event lebt ja von seiner Crowd. Ist Crowdfunding deshalb nicht auch automatisch die perfekte Plattform für die Finanzierung von Veranstaltungen? Wodurch unterscheidet sich eine Crowdfunding Kampagne für Events von anderen Varianten wie z.B. Crowdinvesting?

Linette Heimrich: Für neue Veranstaltungsformate kann Crowdfunding eine tolle Möglichkeit sein, zu testen, ob die Idee beim Publikum ankommt. Letztlich unterscheidet sich Crowdfunding in diesem Punkt nicht sehr vom klassischen Modell des Vorabverkaufs. Den wesentlichen Unterschied macht der unmittelbare Kontakt zu den Unterstützern und die Chance, durch den Input der Crowd die Veranstaltung stetig weiterzuentwickeln. Besonders Events bieten sich hierfür ja geradezu an.

Es gibt Veranstaltungen, wie das Auerwood Festival in Thüringen, die sich bereits regelmäßig über Crowdfunding finanzieren. Neben der Finanzierung bindet das Festival seine Community, da wo es sinnvoll ist, auch aktiv in die Gestaltung ein, was natürlich ein echtes Gemeinschaftsgefühl schafft und die Menschen emotional an das Festival bindet.

 

doo: Welche Tipps und Tricks haben Sie für jeden Eventmanager der jetzt vor hat eine Crowdfunding-Kampagne zu starten? Worauf muss sich ein jeder Veranstalter dabei gefasst machen?

Linette Heimrich: Was man nicht unterschätzen sollte, ist der Aufwand, der hinter einer solchen Crowdfunding-‎Kampagne steckt. Das fängt beim Aufbau der Crowd vor dem Start der Kampagne an ‎und hört auch mit Funding-Abschluss nicht auf. Eine authentische und ehrliche Kommunikation mit den Unterstützern ist der Dreh- und Angelpunkt, wenn Vertrauen ‎entstehen soll. Wirklich gute Kampagnen bauen schon vor dem Crowdfunding, eine ‎Community um das eigene Projekt auf, in dem sie ihre Unterstützer aktiv einbeziehen. ‎Damit geben sie den Menschen das Gefühl, dass hier etwas Einzigartiges entsteht, an ‎dem sie beteiligt waren.

Darin liegt die eigentliche Chance. Dafür muss es nicht immer ‎die groß angelegte, allumfassende und teure Crowdsourcing-Aktion sein. Oft reicht ‎auch schon die aktive Auseinandersetzung mit bereits existierenden Communitys, z.B. ‎in Foren, Blogs, Facebook-Gruppen und so weiter. Entscheidend ist das Zuhören und ‎Teilhaben lassen. Ohne diese Momente bleibt auch eine Crowdfunding-Kampagne ‎letztlich reines One-to-many Marketinginstrument. Und das ist alles andere als ‎innovativ, auch nicht, wenn es mit Crowdfunding einen neuen Namen trägt.‎

doo: Vielen Dank für das spannende Interview!

Wer jetzt selber Lust bekommen hat eine Crowdfunding-Kampagne für seine nächste Veranstaltung zu starten, der kann sich das IHK Crowdfunding Canvas zur Unterstützung heranziehen. Oder aber man nutzt die Chance und lässt sich in einem Fachseminar der IHK Akademie exklusiv zum/zur Crowdfunding Manager/in ausbilden. Die nächste Möglichkeit dafür gibt es schon in diesem Herbst. Wir wünschen viel Erfolg!

Foto: Paul Träger